Startseite

1. Frauen | "Mehr Zug zum Tor entwickeln"

Datum: 11.05.2009 | Autor: Tobias Lambmann

Trainer Rainer Pfaff lobt besseres Tempospiel und stabile Abwehr des Frauen-Oberligisten HSG Gedern/Nidda

NIDDA (br). Zum Saison-Halali feierten die Oberliga-Handballerinnen der HSG Gedern/Nidda mit dem klaren 36:26-Erfolg über die TSG Worfelden bekanntlich einen prima Abschluss vor eigenem Publikum, um schließlich zum endgültigen Rundenende beim Meister HSG Bensheim/Auerbach mit einer 20:30-Niederlage die Segel zu streichen. Gedern/Nidda belegt mit 31:13 Punkten den ansprechenden Tabellenplatz vier. Im Kreis-Anzeiger-Interview lässt Trainer Rainer Pfaff die Saison Revue passieren und wagt natürlich auch einen Blick in die Zukunft.

Wie lautet ihr Fazit der abgelaufenen Saison? Zufrieden mit dem vierten Tabellenplatz? Rainer Pfaff: Unter den Voraussetzungen und Erwartungen vor der Saison muss man mit dem vierten Platz zufrieden sein. In der Rückschau wäre eine bessere Platzierung möglich gewesen, denn in Hüttenberg und Flörsheim haben wir unnötige Niederlagen kassiert. Insgesamt war es eine positive Saison für die Mannschaft.

Was waren die Höhepunkte der Saison? Pfaff: Aus sportlicher Sicht sicherlich die 2. DHB-Pokalrunde gegen den Zweitligisten PSV Recklinghausen, auch wenn die Zuschauerresonanz enttäuschend war. Ein weiterer Höhepunkt war das Spiel gegen Siedelsbrunn vor vollen Zuschauerrängen, da herrschte eine klasse Stimmung. Nach dieser Partie war ich selbst als Trainer körperlich mitgenommen und völlig platt.

Was waren die größten Enttäuschungen? Pfaff: Das Auswärtsspiel in Siedelsbrunn zu Beginn der Saison. Nach drei Auftaktsiegen und dem guten DHB-Pokalspiel hat die Mannschaft in dieser Begegnung zu keiner Zeit an die vorher gezeigten Leistungen angeknüpft. Beim Spiel in Hüttenberg haben wir bis zum Ende immer geführt, nur nach dem Schlusspfiff führte der TVH. Diese Niederlage hat mich am meisten geärgert.

Nach dem Heimsieg über Siedelsbrunn stand die HSG für kurze Zeit mitten im Meisterschaftsrennen. Sind Sie enttäuscht, dass es durch die Niederlagen in Flörsheim und zu Hause gegen Böddiger nur eine kurze Phase war? Pfaff: In Flörsheim und gegen Böddiger haben wir verdient verloren. In beiden Spielen konnten wir nicht unsere Topleistung abrufen. Schade, dass es im letzten Spiel in Bensheim um nichts mehr ging, da die Entscheidung bereits ein Spieltag zuvor gefallen war.

In den letzten Jahren war der Punkteabstand zu den Spitzenteams immer sehr groß. In der Abschlusstabelle beträgt der Abstand nur sechs Zähler und es gab Punktgewinne gegen Meister Bensheim/Auerbach und Siedelsbrunn. Ist der leistungsmäßige Abstand zur Spitze geringer geworden? Pfaff: Ja, der Abstand ist geringer geworden. In diesem Jahr gab es in der Oberliga eine Dreiteilung. Vier Spitzenteams, ein breites Mittelfeld mit Nied, Crumstadt und Eibelshausen eine klare Abstiegszone. Wir befinden uns mit Siedelsbrunn auf Augenhöhe, dagegen sind uns Bensheim und Böddiger im spielerischen Bereich noch einiges voraus.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Mannschaft während ihrer zweijährigen Tätigkeit? Pfaff: Mittlerweile sind wir wesentlich ausgeglichener besetzt. Aufgrund von Verletzungen einiger Führungsspielerinnen mussten andere in die Bresche springen und Verantwortung übernehmen. Im Tempospiel der ersten und zweiten Welle hat sich die Mannschaft sehr gut entwickelt. Dazu verfügen wir mittlerweile über eine sehr stabile Abwehr.

Im Vergleich zu den Top-Drei der Liga liegt die HSG bei der Anzahl der Gegentreffer (528) auf Augenhöhe. Dagegen hat ihre Mannschaft über 100 Tore weniger erzielt als die Spitzenteams aus Bensheim, Böddiger und Siedelsbrunn. Liegt im Angriffsspiel das größte Steigerungspotenzial? Pfaff: Ja, auf alle Fälle. Unsere meisten Tore werfen wir über die schnelle Mitte oder zweite Welle. Im Positionsangriff haben wir noch Schwächen, vor allem gegen offensive Abwehrsysteme. In Zukunft muss die gesamte Mannschaft mehr Zug zum Tor entwickeln. Wir müssen die Spielgeschwindigkeit erhöhen und lernen weiterzuspielen bis die beste Chance kommt. In der nächsten Saison möchte ich neben der 6:0-Abwehr noch ein weiteres System einführen.

Ist mit Bensheim/Auerbach die stärkste Mannschaft verdient aufgestiegen? Pfaff: Ja, ganz klar. Von Anfang an zählte die Bundesligareserve zum engsten Favoritenkreis. Diese Stärke bekamen wir bereits vor der Saison bei einem Vorbereitungsturnier in Büttelborn zu spüren.

Wie sieht die Trainingsplanung in den kommenden Wochen aus? Wann beginnt die Vorbereitung auf die neue Saison? Pfaff: Meine Spielerinnen haben jetzt erstmal Pause. Am 29. Juni starten wir mit der Vorbereitung auf die neue Saison. Die Mädels treffen sich in der Pause zum Laufen und werden wie in jedem Jahr ohne Trainer an den Feldturnieren der Region teilnehmen.

Im Pokal gab es eine Finalniederlage gegen Ligakonkurrent Dutenhofen/Münchholzhausen. Die Enttäuschung darüber hielt sich in Grenzen. Wäre der Einzug in die erste DHB-Pokal Hauptrunde nicht attraktiv für Verein und Mannschaft gewesen? Pfaff: Sportlich wäre es attraktiv gewesen, aber nicht finanziell. Für ein Bundesliga-Schiedsrichter-Gespann muss der Verein zwischen 600 und 800 Euro aufbringen. Die Bundesliga-Zeitnehmer kosten 200 Euro und dem Gastverein muss für jeden gefahrenen Kilometer ein Euro gezahlt werden. Gegen Recklinghausen war das für den Verein ein Minusgeschäft.

Welche Spielerin hat ihrer Meinung nach den größten Leistungs-Sprung in der abgelaufenen Saison gemacht? Pfaff: Gloria Hess und Tine Röder. Beide haben sich im Abwehr- und Angriffsspiel wesentlich verbessert. Dazu kommt bis zu ihrer Verletzung Dajana Uebel, die im Schnitt auf drei Tore pro Spiel kam. Mit Clarissa Feth kam in der Rückrunde eine Spielerin aus der zweiten Mannschaft hinzu, die hervorragend eingeschlagen hat.

Wie sieht die Personalplanung bis zum heutigen Tag aus? Welche Zu- oder Abgänge stehen fest? Pfaff: Bis jetzt zeichnen sich noch keine Veränderungen im Kader ab. Aus der eigenen Jugend kommt mit Berit Thun eine Außenspielerin, die bereits in der letzten Saison schon fleißig mittrainiert hat, obwohl sie noch wenig Einsatzzeit bekam. Mit Sabine Eisenacher stößt eine Allrounderin aus der A-Jugend zum Kader dazu. Ich hoffe auch, dass Katharina Böhnig nach ihrer Verletzung in der Vorbereitung wieder voll einsteigen kann.

Mit Eintracht Baunatal steht ein Absteiger aus der Regionalliga fest, der noch Personal sucht. Bei Siedelsbrunn gibt es einen Umbruch, da der langjährige Trainer Udo Böbel aufhört. Der Tabellenzweite Böddiger verliert seine Spitzenspielerin Jana Pollmer an den Regionalligameister Bad Wildungen. Wird der Weg frei für die Meisterschaft? Pfaff: Die Meisterschaft ist kein Thema. Im nächsten Jahr geht es um den Klassenerhalt angesichts der Reformen. Durch die Reformen - eingleisige 2. Liga und nur noch vier Regionalligen - kommt es zu einem vermehrten Abstieg aus den oberen Klassen in der übernächsten Saison.

Was bedeutet das für die Oberliga Hessen? Pfaff: Wenn es ungünstig läuft, kann der Abstieg bis Platz fünf gehen. Ich bezweifle auch, ob das Niveau höher wird, denn die Leistungsträger der Absteiger wechseln mit Sicherheit in die dritte Liga. Vom Namen her erscheint die Oberliga dann stärker, aber spielerisch nicht. Der Amateursport hört dann in der Oberliga auf. In der neuen Regionalliga gibt es dann Fahrtstrecken von Gießen bis zum Bodensee, das überschreitet für mich das Prinzip des Amateursports.

Quelle: Kreis-Anzeiger (09.05.2009)

« zurück